Über Lieblingsautoren und die Leidenschaft fürs Lesen

Manchmal werden wir gefragt, wer unsere Lieblingsautoren seien. Nach kurzer Überlegung nennen wir ein paar Namen, und manchmal folgt darauf die Frage: Warum ausgerechnet dieser Autor, diese Autorin? Ad hoc sagen wir dann so etwas wie „Die Bücher sind einfach etwas Besonderes“, oder „Der Schreibstil ist unvergleichlich.“ Aber der wahre Grund, warum ein/e Autor/in sich wirklich abhebt, ist ein anderer.

Es ist zum einen dieses Gefühl des Nach-Hause-Kommens, das sich gleich auf den ersten Seiten einstellt. Als würde uns jemand wohlig in eine warme Decke einhüllen, uns eine Tasse Tee reichen und über den Kopf streicheln, so fliegen wir durch die ersten Zeilen. Es ist zum anderen die Tatsache, dass sich die Bücher jener Autoren/innen nicht gleich offenbaren. Solche Bücher sind Arbeit – die Handlung erschließt sich nicht immer gleich, wir ahnen die nächsten Taten der Charaktere nicht schon meilenweit voraus, wir haben oft Schwierigkeiten, die Persönlichkeiten schnell zu verstehen. Derlei Bücher bescheren uns also immer – angenehmerweise aber unterschwellig – ein Stückchen Arbeit an ihrem Inhalt, und immer öfter auch Arbeit an uns selbst. Die Autoren/innen führen uns durch die Lektüre wie auf eine Reise, während der wir zu verstehen lernen, warum die Protagonisten so handeln, warum sie bestimmte Charakterzüge haben, warum wir uns trotz allen Schmerzes manchmal kein anderes Ende für die Geschichte vorstellen können.
Und darum sind es unsere Lieblingsautoren/innen: Sie nehmen keine Rücksicht auf uns Leser, sie geben uns Rätsel auf und führen uns auf ganz natürliche Weise zur Lösung. Und wenn wir am Ende des Buches angelangt sind, sich die Lösung offenbart hat, dann erkennen wir, dass wir durch die Hinterfragung der Handlung und Charaktere auch uns selbst hinterfragt haben. Wie hätten wir reagiert? Warum denken wir anders? Sollten wir überhaupt anders denken und reagieren – oder ist es Zeit für Veränderung?
Es sind also unsere Lieblingsautoren/innen, weil sie uns nicht nur eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung beschert haben, sondern weil sie währenddessen einen Prozess in uns anregen, uns antreiben und uns über die Grenzen unseres alltäglichen Denkens hinaustreiben.

Dieser Text entstand nur wenige Minuten nach Beendigung von und inspiriert durch Jodi Picoults Roman „Und dennoch ist es Liebe“.

3 Kommentare zu „Über Lieblingsautoren und die Leidenschaft fürs Lesen

  1. Hallo liebes Libellus Duo!
    Der Text ist wirklich märchenhaft geworden! Tatsächlich beantworte ich die Frage nach meiner Lieblingsautorin oder meinem Lieblingsautor eher selten, da es „normale“ Personen, die sich nicht tagtäglich mit dem Thema beschäftigen, sowieso nicht verstehen. Sie verstehen die Gefühle nicht, die ich damit verbinde, und den Namen kennen sie schon gar nicht. Ein anderer Grund ist auch, dass ich eigentlich gar nicht weiß, wer mein Lieblingsautor ist. – das wäre so, als würde man mich fragen, welches mein Lieblingsbuch ist? Wer kennt da schon eine Antwort.
    LG Lilli

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Lilli,
      Vielen Dank für den schönen Kommentar! Du hast schon Recht: Wir könnten uns auch nie und nimmer auf einen Lieblingsautor festlegen. Viel wichtiger ist ja auch das Gefühl, das bestimmte Autoren/Bücher in uns auslösen – und das ist bestimmt bei jeder Leseratte gleich, nämlich einfach bezaubernd. :-)
      Ganz liebe Grüße
      Libellus Duo

      Gefällt 1 Person

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