Rezension zu „Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult

Titel: Kleine große Schritte

Autor: Jodi Picoult

Übersetzer: Elfriede Peschel

Genre: gesellschaftskritischer Roman

Seitenanzahl: 592

Verlag: C. Bertelsmann

Preis: 20€

Inhaltsanagbe

Ruth Jefferson ist Hebamme mit Leib und Seele: Obgleich sie als junge schwarze Frau stets hart für ihre Bildung kämpfen musste, hat sie sich ihren Herzenswunsch erfüllt und arbeitet seit über 20 Jahren in einem Krankenhaus. So ernährt die Witwe sich und ihren Sohn und lebt ein erfülltes Leben – bis Davis Bauer geboren wird. Seine Eltern sind weiß, rechts und verweigern Ruth die Arbeit an ihrem Sohn. Kurz darauf stirbt das Baby in Ruths Beisein. Es dauert nicht lange, da stürmen Polizisten Ruths kleines Haus – denn die Afroamerikanerin wird des Mordes angeklagt.

Unsere Meinung

Jodi Picoult konnte uns schon auf den ersten Seiten mit ihrem prägnanten, ordentlichen Schreibstil überzeugen. Ohne viel Schnickschnack, dafür mit viel Intelligenz und cleveren Allegorien schreibt die Autorin mal aus Ruths Sicht, mal aus der Sicht von Turk Bauer, dem Vater des toten Babys, und auch aus der Sicht von Kennedy, Ruths Anwältin.
Dabei steht der Rassenkonflikt im Vordergrund der Geschichte: Ist Ruth verantwortlich für Davis‘ Tod? Zögerte sie eine Sekunde zu lange, ihm zu Hilfe zu eilen, als er sichtlich nach Luft rang und sein kleiner Körper zu versagen drohte? Oder ist nicht gerade die Untätigkeit das, was Turk Bauer und seine Frau Ruth aufgetragen hatten, da sie ihr Baby nicht von einer Afroamerikanerin behandeln lassen wollten? Diese Fragen führen als stringenter roter Faden durch die Geschichte.
Weitaus fasznierender ist jedoch die Entwicklung der Protagonistin: Seit Jahrzehnten bemühte sie sich, so unauffällig wie möglich zu sein. Als Afroamerikanerin ging sie zu ihrer eigenen Sicherheit Konflikten aus dem Weg, arbeitete hart und war stets ein Vorbild für ihren Sohn. Doch durch die Mordanklage wird ein Feuer entflammt, das offenbar seit langer Zeit in Ruth lodert. Während sie zu Beginn des Prozesses nur daran denken kann, endlich frei zu sein und stets auf die Ratschläge ihrer Anwältin hört, will Ruth bald schon mehr. Obwohl ihre Anwältin dringend davon abrät, den Rassenkonflikt im Gerichtssaal auszutragen und stattdessen auf der Grundlage medizinischer Befunde zu argumentieren, will Ruth aussprechen, was sie und so viele andere denken: Warum wird sie nun dafür bestraft, dass sie das Baby nicht behandelt hat – war dies doch der ausdrückliche Wunsch der Eltern?
Unnötig zu sagen, dass dieses Buch einiges an Tiefe bietet, um Antworten auf diese Frage zu liefern. Das Ende inklusive gelungenem Twist empfanden wir als zufriedenstellend.

Fazit

Wer „The Hate U Give“ von Angie Thomas gelesen hat, wird dieses Buch mögen. Es ist um einiges nüchterner und zudem für ein älteres Lesepublikum gedacht, kann jedoch durchaus auch von Teenagern gelesen werden – Botschaft und Thematik des Buches betreffen jedes Alter, jede Ethnie, einfach jeden von uns. Zugegeben, wir brennen für zeitgenössische Literatur über Rassismus, aber eine Lektüre lohnt hier auch wegen des einzigartigen, besonnenen Schreibstils von Jodi Picoult. „Kleine große Schritte“ war definitiv eines unserer Lesehighlights aus dem Jahr 2017.

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