Rezension zu „Dann schlaf auch du“

Titel:
Dann schlaf auch du

Autorin:
Leïla Slimani

Übersetzerin:
Amelie Thoma

Genre:
Roman

Seitenanzahl:
224

Verlag:
Luchterhand (Random House)

Preis:
20€

Inhaltsanagbe

Noch während ihres Jurastudiums wird Myriam schwanger, bald schon kommt auch Kind Nummer zwei zur Welt. Aller Liebe zum Trotz steht für sie schnell fest: Sie will wieder arbeiten, Karriere als erfolgreiche Anwältin machen. Gemeinsam mit Ehemann Paul finden sie in der liebevollen, ordentlichen und verlässlichen Louise eine wunderbare Nanny. Bis sie die Kinder umbringt.

Unsere Meinung

„Das Baby ist tot.“ So beginnt der Roman, der 2017 in Frankreich mit dem wichtigsten Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet wurde. Aber, so könnte man meinen, mit diesem ersten Satz ist doch die Quintessenz des Romans gleich vorweggenommen?! Schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass dies keineswegs der Fall ist. Leïla Slimani muss nicht auf einen Mord hinarbeiten, muss keine Spannung erzeugen, die schließlich in den doppelten Kindsmord mündet. Ihr geht es weder um die szenische Darstellung der Gräueltat, noch um die Ergründung des Motivs. Die Autorin versucht auch nicht die Beweggründe der Nounou (frz.: ‚Kindermädchen‘) zu erforschen oder gar die Tat aus ihrer Sicht zu rechtfertigen.
Vielmehr handelt es sich bei „Dann schlaf auch du“ um einen Roman, der die Einsamkeit einer Frau auf ganz nüchterne, fast schon sachliche Art beschreibt. Die Autorin kommt ohne schmückende Adjektive aus, schreibt in einfachen, kurzen Sätzen und beleuchtet als auktoriale Erzählerin mal Louises, mal Myriams Perspektive. Letztlich führt ebenjene Gegenüberstellung der Sichtweisen auch dazu, dem Leser – wenngleich unbewusst – das verquere Verhältnis von Dienstleistungen auf zwischenmenschlicher Ebene in all seinen Facetten kritisch vor Augen zu führen. Und dabei ist der Roman vor allem eines: unangenehm. Er legt den Finger so lange in die Wunde unserer wohlhabenden Gesellschaft, bis wir uns fragen müssen: Wie wäre unser Leben an Stelle der Nounou verlaufen? Wären wir zwangsläufig nicht ebenso verzweifelt und tieftraurig, vereinsamt und fernab jeder Hoffnung verkümmert?

Fazit

Die Auflösung auf die Frage nach dem Warum gibt Leïla Slimani nicht – und das ist auch gut so. Auch können wir nicht sagen, dass wir das Buch gemocht haben – und auch das ist gut so, denn wie kann man die Zurschaustellung der Wohlstandsgesellschaft und ihrer hässlichen Resultate mögen? Dennoch empfehlen wir „Dann schlaf auch du“ allen, die eine Nacht lang vor Spannung an ein Buch gefesselt sein wollen, die sich nicht davor scheuen, einen tiefen Einblick in menschliche Abgründe zu nehmen und die auch die Darstellung von Kindern abseits ihrer verträumten und spielerischen Art verkraften. Ein höchst interessantes Buch – diese Beschreibung trifft es wohl am besten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..